Edward Lee und Wrath James White – Der Teratologe.

•Oktober 17, 2013 • Hinterlasse einen Kommentar

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Jeder, der a.) Edward Lees Stil kennt und sich b.) bei Onkel Google erkundigt, was zur Hölle eigentlich ein Teratologe ist, wird ungefähr den Hauch einer Ahnung haben, auf was er sich einlässt, wenn er dieses Buch aufschlägt. Eines vorweg: egal, welche abartigen und kranken Dinge Ihr erwartet „Der Teratologe“ ist definitiv schlimmer … und naja, wenn ich das sage, hat dies wohl etwas Gewicht, denn ich, die abgebrühte Comtesse (ja, ab und an darf man sich selbst ein bisschen Honig ums Zuckermäulchen schmieren …), sage Euch, dass Ihr so etwas noch nicht gelesen habt und dass Ihr euch mehr als einmal denken werdet: „WTF, wo nehmen diese Typen diese dermaßen kranken Ideen her?!?!?

Ihr könnt euch jetzt nach diesen Ausführungen denken, dass „Der Teratologe“ kein Liebesroman ist – vielmehr stehen Gräßlichkeiten und abnormalste Handlungen im Vordergrund. Im Hintergrund läuft eine nette Story (größenwahnsinniger Milliardär hat es sich in den Kopf gesetzt, Gott mit seinen Handlungen dermaßen zu erzürnen, dass dieser sich ihm leibhaftig offenbart), wir haben angenehme Figuren und sogar so etwas wie einen Helden bekommen wir geboten. Lee/White ohne Sex geht gar nicht, davon findet sich also mehr als genug im Roman, hauptsächlich steht in „Der Teratologe“ jedoch das Schockieren im Vordergrund – immer wenn man denkt, „so, noch schlimmer kanns nicht kommen“, setzen die Gentlemen Lee/White mit Leichtigkeit noch Eines drauf.

Schon nach den ersten paar Seiten hab ich mir gedacht, dass das wirklich verdammt kranke Scheiße ist, aber natürlich ist der Roman – wie sollte es anders sein – noch härter und noch bösartiger geworden. Für ein Buch wie dieses muss man definitiv empfänglich sein, Leser die meinen, „Shades of Grey“ sei heftig, sollten es nicht in Erwägung ziehen, ja nicht mal daran denken, diesen Roman zu lesen, weil sie wohl bereits nach der ersten Seite kreidebleich versuchen dürften, das Essen im Magen zu behalten. Ihr meint, ich übertreibe? Dann überzeugt Euch selbst.

Dieses Buch ist etwas für Kenner und Liebhaber des Torture-Genres – Moral oder gar Anstand haben in dieser Story nicht mal entfernt etwas zu suchen. Wem es jedoch Spaß macht, sich mit den Werken großartiger Schriftsteller zu befassen, die gern mal nen riesen Brocken übers Ziel hinaus schießen, wird mit dem Duo Lee/White seine wahre Freude haben.

Ich fand den Roman krank, abartig, pervers, grotesk, beschämend … aber auf seine Art und Weise schlicht und einfach genial. Lee und White sind jeder für sich bewundernswerte Schriftsteller (nicht zuletzt deshalb, weil sie sich einen Dreck darum scheren, wer was von ihren Büchern halten mag), aber beide zusammen setzen der Monstrosität die Krone auf. Grenzen gibt es hier nicht, nichts ist zu derb und nichts wird verschwiegen – hier geht es um Dinge, die unsereins wohl nicht mal in den allerdunkelsten Albträumen in den Sinn kommen würden und genau das meine Lieben, macht doch einen guten Horror-Autor aus – oder?

La Comtesse Noire

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Der Teratologe” kannst du als physisches Buch ausschließlich direkt beim Festa Verlag bestellen. Oder du willst die Kindle-Version, die gibt es hier.

Lutz C. Frey – Nest.

•Oktober 9, 2013 • Hinterlasse einen Kommentar

Man nehme eine Handvoll Männer, die aus ihrem mehr oder weniger langweiligen (Sex-)Leben flüchten wollen, ein Freudenhaus, das verspricht, seinen Kunden genau das zu geben, was sie sich im Geheimen am meisten wünschen und einen mysteriösen, ziemlich coolen Helden – schon hat man die Zutaten für Lutz C. Frey’s Roman „Nest“ beisammen. Naja, ganz so einfach ist es klarerweise nicht, man muss aus diesen Zutaten ja immerhin etwas Tolles zaubern, gute Ideen alleine machen immerhin noch lange keinen guten Horrorroman aus. Der Autor scheint jedoch schon etwas Übung im Aufbereiten von guten Einfällen zu haben, denn sonst hätte er wohl kaum diese überaus gelungene Geschichte auf die Beine stellen und mich mit seinem Stil überzeugen können.

Ohne viel Herumgeschwafel kommt Frey gleich zu Beginn der Geschichte auf den Punkt und zeigt dem Leser wo es lang geht: Männer mit ausschweifenden sexuellen Fantasien treffen auf perfekt gebaute Frauen, die überaus willig sind, den Jungs ebendiese ohne Murren zu erfüllen. Blöd nur, wenn sich der Ort der sexuellen Erfüllung als Ort des Grauens und des Todes entpuppt.

So gut und fesselnd der Autor die Geschichte rund um die Männer im „Nest“ auch beschrieben hat, eines hat mich doch gestört, nämlich, dass der Hauptprotagonist und eigentliche Held der Geschichte, Jake Sloburn, lediglich eine Nebenrolle spielte. Auch blieb dieser Charakter weitgehend im Dunkeln – man erfährt als Leser nur das allernötigste über Jake, was ich doch sehr ungewöhnlich fand, da dies der erste Roman der Jake Sloburn-Reihe ist. Aber ich möchte hier eigentlich gar nicht zu viel drauf herumreiten, denn ich habe die Vermutung, dass der Autor sehr wohl weiß, warum er diesen Charakter noch nicht ins Scheinwerferlicht stellt, sondern ihn mit einer geheimnisvollen Aura umhüllt … der Leser hat natürlich jetzt Lust auf mehr und kann es kaum erwarten was es mit diesem geheimnisvollen Typen auf sich hat.

Im Großen und Ganzen hat der Autor mit dem Roman „Nest“ also genau ins Schwarze getroffen. Flüssiger Schreibstil, Spannung vom Anfang an, Sex (ganz wichtig :) und natürlich literweise Blut (in einem Horrorroman noch wichtiger) – also ein Buch ganz nach meinem Geschmack. Der Autor hat Talent und (was natürlich mindestens genauso wichtig ist) ‘ne Menge kranker und abartiger Ideen – nur weiter so!

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“Nest” kannst du hier zum Preis von 6,66 Euro bestellen.

Die Kindle-Version ist derzeit gratis und bietet auch noch eine Bonus-Story. Zuschlagen!

Watch Horrortube!

•September 25, 2013 • Hinterlasse einen Kommentar

Jaaa! Wir geben es zu: Wir sind große Fans von Sönke Hansen. Der schreibt sehr coole Horror-Romane und Kurzgeschichten, ist unglaublich sympathisch und sieht auch noch verdammt gut aus. Das muß auch mal gesagt werden. Das Aussehen und die Art von Sönke spielen nämlich eine Rolle, weil der gute Mann nun seit einiger Zeit eine Art Videoblog betreibt, welches in recht unterhaltsamer Art über Neuerscheinungen in unserem Genre und über das Genre an sich berichtet. Eine sehr nette Alternative zum geschriebenen Wort, keine Frage. Guck dir die neueste Folge an und vergiss nicht, gleich Sönkes Channel zu abonnieren!

Jeff Strand – Fangboys Abenteuer.

•September 18, 2013 • 2 Kommentare

Das mit dem Humor ist ja immer so eine Sache wie wir wissen, jeder spricht auf eine andere Art davon an. Ich persönlich lache prinzipiell sehr gern und viel und ja ich kann auch wirklich wegen fast jedem Blödsinn schmunzeln, dennoch würde ich mich als jemanden bezeichnen, der an den Humor auch einige Ansprüche stellt. Jedenfalls bzw. hauptsächlich dann, wenns um die Lacher in Filmen und Büchern geht. Ich denke gerade an „Sarg niemals nie“ zurück, welches ich vor geraumer Zeit rezensiert habe. Mir fällt wieder ein wie billig die Jokes in diesem Roman waren und wie sehr ich mich damals gewundert habe, wie man es schafft mit seinen Witzen so ins Klo zu greifen.

Wie dem auch sei, es gibt, Gott (oder Satan oder wem auch immer) sei Dank auch Autoren, die wirklichen Witz und Esprit in eine Geschichte bringen. Paul Cleave ist diesbezüglich absolut spitze wenn ihr mich fragt oder auch Jeff Strand (für mich persönlich ja ein bisschen der König des schwarzen Horror-Humors) hat verdammt viel Klasse und nen mördermäßig geilen „Schmäh“. Die Sache mit Strand sieht Voodoo Press anscheinend ähnlich wie ich, sonst hätten sie wohl kaum einige Bücherrechte von besagtem Schriftsteller erworben.

Den Anfang der Strand-Bücher bei Voodoo Press machten „Benjamins Parasit“ und „Fangboys Abenteuer“, und ja ich bin ehrlich, eigentlich hat letzterer Roman vom Thema her nicht wirklich etwas auf dem bitterbösen Blut&Beuschel-Blog zu suchen, aber was soll ich sagen, ich kann und will euch dieses Schmankerl einfach nicht vorenthalten.

Es ist einfach grandios wie Jeff Strand über den kleinen Nathan Pepper schreibt, der eigentlich ja ein ganz normaler Junge ist, wären da nicht diese riesigen Fangzähne mit denen er geboren wurde und die ihm das Leben sehr, sehr schwer machen. So gesehen, ist dies doch die perfekte Vorlage für eine Geschichte, in der der Protagonist ein blutrünstiger, kannibalistischer Serienkiller wird und sich quer durch die Story metzelt. Aber nein, Jeff Strand hatte andere Pläne und diese so liebevoll umgesetzt, dass ich jetzt, Wochen, nachdem ich dieses Buch gelesen habe, noch immer mit einem Lächeln an Nathan und seine Geschichte zurück denke. Die Geschichte über einen kleinen, herzensguten Jungen, der nichts anders möchte als ein normales Leben führen zu dürfen und der – trotz seiner monströsen Zähle – geliebt werden will. Die Abenteuer von Nathan Pepper beschreibt Strand mit herzerweichendem Feingefühl und der – für den Autor absolut üblichen – riesen Portion dunkelschwarzem Humor.

Strand hat einfach zweifellos ein Talent dafür, selbst harmlose Geschichten mit seinem einzigartigen wie auch pechschwarzen Witz zu überziehen und das macht den Roman dann doch wieder zu etwas so Speziellem, dass er definitiv und ganz ohne Zweifel auf unsere Blut&Beuschel-Homepage muss/darf/soll. Man nehme also die – eigentlich ganz harmlose, wenn auch sehr abenteuerliche und spektakuläre – Geschichte über einen kleinen Jungen, der quer durch die Welt reist um in eben dieser seinen Platz zu finden, gewürzt mit einer riesen Portion „Strand“ und schon haben wir einen herausragenden und einfühlsamen Roman, der einen mitfiebern, lachen und vielleicht sogar Tränen vergießen lässt (nicht nur des Humors wegen, soviel darf ich verraten …). Ich kann euch „Fangboys Abenteuer“ wärmstens empfehlen, wenn es mal etwas Ruhigeres ohne viel Blut aber mit viel Herz und Witz sein darf – ihr werdet sehen, Jeff Strand ist ein Ausnahme-Schriftsteller, der es versteht seine Leser zu fesseln.

La Comtesse Noire

“Fangboys Abenteuer” kannst du hier bestellen!

Jeff Strand auf Voodoo Press.

Christian S. Schneeweiß – Zeitgeist: Alptraum-Phantasie.

•August 14, 2013 • Hinterlasse einen Kommentar

Ich freue mich ja immer irrsinnig über Rezensionsanfragen – ja, dies ist ein Wink mit dem Zaunpfahl – und so habe ich mich auch sehr geschmeichelt gefühlt, als Christian S. Schneeweiß an mich mit der Frage herangetreten ist, ob ich nicht Lust hätte sein neuestes Werk zu rezensieren.

Was für eine Frage! Natürlich lese und bewerte ich immer ausgesprochen gerne Werke von „Jungautoren“. Im Gegensatz zu Schriftstellern, die bereits überzeugen konnten und die sich somit schon einen kleinen Sonderstatus erkämpft haben (was widerum mit einer gewissen hohen Erwartungshaltung verbunden ist …), weiß man als Leser bei einem unbekannten Autor nie, auf was man sich da eigentlich einlässt. Man kann sich also in ein quasi jungfräuliches Abenteuer mit jemandem stürzen, der einem bis dato komplett unbekannt ist. Ob ich meinen Ausflug in die Welt des Christian S. genossen hab und wie es mir mit dem ungewöhnlichen Stil des Autors ergangen ist, könnt Ihr in nachfolgender Rezension nachlesen.

Über die Story: „Zeitgeist“ handelt von einem Mann, der seine Zeit im Irrenhaus absitzen muss. Da er sich weigert zu reden, gibt man ihm eine Schreibmaschine, mit deren Hilfe er die Tragödie erzählen soll, die ihn zum Schweigen gebracht hat. Der Roman handelt also von einem gepeinigten und gebrochenen Mann, der seine unglaublichen wie auch unvorstellbar grausamen Erlebnisse schildert und dem Leser dadurch den Zugang in eine völlig neue Welt ermöglicht.

Beginnt der Roman am Anfang wie ein Krimi, wird dem Leser sehr schnell klar, dass er sich mitten in einer Horror-/Mystery-Geschichte befindet. Kaltblütige Morde, durch und durch bösartige Wesen und eine interessante Geschichte machen die knapp 250 Seiten zu einem sehr speziellen Lesevergnügen.

Ich kann durchaus nachvollziehen, dass der eine oder andere Leser bei so manchen Passagen ein mulmiges Gefühl gehabt und sich heftig gegruselt hat, denn Schneeweiß weiß, wie man bei seinen Fans eine Gänsehaut verursacht. Diese Passagen laufen so richtig schön im Kopf mit, sodass es mich nicht wundern würde, wenn manch einer abends ausnahmsweise nicht das Licht abgedreht hat oder mehrmals kontrolliert hat, ob die Tür wohl wirklich abgeschlossen ist. Ja, der Autor besitzt eine angenehm dunkle Phantasie und lässt den Leser gekonnt an eben dieser teilhaben.

Schneeweiß hat sich auch ganz offensichtlich Gedanken über die Geschichte gemacht, denn mehr als einmal findet sich der Leser in absolut unerwarteten Situationen wieder und ihm wird klar, dass in diesem Roman nicht ist wie es scheint. Manche Passagen erinnerten mich sehr stark an „Inception“. Vielleicht hat sich der Autor an diesem Film angelehnt, vielleicht auch nicht. In jedem Fall fand ich den Versuch eine Story in der Story in der Story zu beschreiben eigentlich recht gelungen.

Die Rezensionen auf amazon.com sind durchwegs grandios. Schneeweiß wird für sein Talent gelobt, das Buch als durchwegs spannend und absolut gruselig beschrieben. Weiters betonen viele Rezensenten immer wieder, wie flüssig das Buch geschrieben ist und dass sie den Stil des Autors wahnsinnig gut fanden. Und hier liegt für mich der Hund begraben, denn mit dem Stil hab ich von Anfang bis Ende gehadert. So sehr ich es auch wollte, aber ich bin und bin einfach nicht richtig in die Geschichte gerutscht, weil mir der Stil zu holprig und teilweise auch etwas zu verwirrend war. Ich hätte mir etwas mehr Konstanz und ein klein bisschen weniger Sprunghaftigkeit gewünscht und dies wäre für mich auch notwendig gewesen um voll und ganz in der Geschichte versinken zu können.

Alles in allem ist „Zeitgeist: Alptraum-Phantasie“ ein sehr spezieller Roman, der mir gut gefallen und inhaltlich bestens unterhalten hat. Der Autor hat zweifelsohne ein großes Talent für ausgefallene Geschichten und sollte seinem Still auf jeden Fall treu bleiben, denn auch wenn ich mich nicht 100%ig damit identifizieren kann, sieht man an der Menge seiner Fans, dass seine Ausdrucksweise durchaus Anklang findet … und wie wir wissen soll man Dinge, die sich bewährt haben, nicht ändern.

La Comtesse Noire

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Christian S. Schneeweiß – “Zeitgeist: Alptraum-Phantasie” kannst du hier bestellen!

Horror-Legionen.

•Juli 3, 2013 • 3 Kommentare

Viel diskutiert und gestritten wird wegen Horror-Literatur deutscher Prägung und deren Erscheinen nicht mehr nur als gedrucktes Buch, sondern auch als digitales Erzeugnis – wenn man die zahllosen, stümperhaften Versuche zusammenzählt, seit man über Amazon so einfach selbst publizieren kann, ist dieser Frust natürlich berechtigt.

Euer Bloghost hat eine zeitlang überhaupt nur mehr englischsprachige Genreliteratur gelesen, aus schierem Protest, weil ja sogar deren Übersetzungen ins Deutsche derart lieblos zusammengeschludert waren, dass ich da einfach nicht mehr mitmachen wollte.

Im Gegensatz zu anderen Suderanten (österr. für “Nörgler”) habe ich aber aus der Verzweiflung um den schon global zu nennenden Niedergang meines ewig verehrten Horrorgenres und der Nichtexistenz heimatsprachlich hochwertiger Literatur eine Selbsthilfegruppe gegründet. Auf Facebook. Um mich mit anderen Gleichgesinnten zusammenzuschließen und nach den doch sicherlich verhanden Perlen des Horrors zu suchen, um zu profitieren, zu lernen.

Da fing alles an...

Da fing alles an…

Die wie von selbst blitzschnell anwachsende Mitgliederanzahl unserer zuerst winzigen Gruppe hat für mich zu Erkenntnissen geführt, mit denen ich nicht rechnen konnte – anscheinend hatte der Herr der Höllenscharen höchstpersönlich meine Sehnsucht gespürt und wollte mir zeigen, wie viel Talent in deutschen und österreichischen Landen vorhanden ist.

Plötzlich waren sie alle da, die jungen, wilden Schriftsteller – brennend vor Liebe zu ihrem Genre, berstend voller herrlich kranker, perverser Ideen, die nur darauf warteten, in blutrote Form gegossen zu werden; viele davon auch schon Vollprofis mit mehreren bereits veröffentlichten Romanen und Kurzgeschichten in diversen Anthologien – andere (so wie ich selbst) einfach neugierig, ihre dunkle Seite auszuloten und das Coming-Out zu wagen.

So haben wir uns also die Nächte um die Ohren gehaut, geschrieben, diskutiert, uns gestritten, wieder versöhnt, uns dabei näher kennengelernt, neue Freundschaften, Bündnisse ud Allianzen geschlossen, beseelt von dem einen Ziel – der deutschen Horrorliteratur mit einem fetten Energieschub auf die Sprünge zu helfen.

Als es darum ging, einen Verleger zu finden, musste ich auch einige unschöne Erfahrungen machen – ich werde gewisse Erlebnisse nicht vergessen, wie zum Beispiel diejenige mit einem mir von vorneherein suspekten Herrn, der mich in diversen Messages auf ziemlich ungute Art und Weise dazu bringen wollte, einer Auflage zuzustimmen, die wir selber bezahlen müssten; eine Erfahrung, die mich trotz meiner Unerfahrenheit als Herausgeber eher darin bestärkte, dass wir Autoren besseres verdient hätten. Wie mir einige Kollegen später berichteten, die mit jenem Herrn schon in der einen oder anderen, meistens eher unguten Weise zu tun hatten, hat mich da mein Bauchgefühl nicht im Stich gelassen, jegliche Zusammenarbeit zu verweigern.

Verleger Jürgen Eglseer im Gespräch mit...ähm, Stephen King?

Verleger Jürgen Eglseer im Gespräch mit…ähm, Stephen King?

Und wie recht ich hatte: Kurze Zeit darauf stieß mit Jürgen Eglseer ein Mensch zu uns, der sowohl durch seine Bereitschaft, ein Abenteuer zu wagen, wie auch durch seine langjährige, professionelle Tätigkeit im verlegerischen Bereich genau derjenige war, auf den wir eigentlich gar nicht zu hoffen wagten.

Doch der Traum wurde wahr: Als frischgebackener Herausgeber darf ich nun also voller Stolz die erst deutsche Horror-Anthologie präsentieren, die diesen Namen auch voll und ganz verdient. Andere mögen sich ebenfalls in dieser anthologischen Nische versuchen, aber die wahre, wie qualitative Härte, die bekommst du nur bei uns. Fakt.

Das Monument – 450 Seiten blutiger Horror.

Ja, ich gebe es ja zu – ich bin stolz auf die “Horror-Legionen” – stolz, den Anstoß gegeben zu haben, stolz, dass ich die Stories aussuchen durfte, und stolz, dass ich als Tony Lucifer mit diesen hochtalentierten Schriftstellern ein bisschen mitdilettieren durfte.

Also: 450(!) pralle Seiten warten darauf, von dir gelesen zu werden. Wir decken jedes noch so blutige Spektrum ab, jeder Härtegrad wird gebrochen, aber auch sanfte Töne sind dabei; einfach alles, was du als Horrorfan die nächsten Stunden, Tage, Wochen, Monate über jemals brauchen wirst, steht in diesem grandiosen Buch.

Doc Nachtstrom

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Bestelle die “Horror-Legionen”, die Anthologie des modernen deutschen Horrors, als Buch oder Ebook beim Amrûn Verlag oder auf Amazon.

Ich verneige mich vor und bedanke mich bei (in beliebiger Reihenfolge):

Arthur Gordon Wolf, Carmen Weinand, Constantin Dupien, Daniela Herbst, Des Romero, Guido Ahner, John Aysa, Karin Reddemann, Kristina Lohfeldt, Marc Hartkamp, Marc Gore, Melchior v. Wahnstein, Meryjaine Webster, Michael Sonntag, Julian Ehgartner, Moe Teratos, Rona Walter, Jürgen Eglseer, Sean Beckz, Sönke Hansen, Stefanie Maucher, Thomas Backus, Tony Lucifer, Torsten Scheib, Vincent Voss, Werner Skibar, Xander Morus.

Der Mythos lebt!

•April 17, 2013 • 2 Kommentare

Es ist nach wie vor erstaunlich: Da transformiert im ersten Viertel des vorigen Jahrhunderts ein kränklicher Nerd seine aberwitzigen Horrorfantasien zu einer Handvoll Geschichten, die zu seinen Lebzeiten nur in billigen Pulpheftchen veröffentlicht werden und erschafft auf diese unaufregende Weise einen Mythos, der so gewaltig ist, dass ihm heute noch Millionen von Fans auf der ganzen Welt huldigen.

Dass der Cthulhu-Mythos von H. P. Lovecraft auch heute noch so alive and well ist, verdankt er mit großer Sicherheit nicht nur der epischen Symbolkraft in den Werken des Meisters, sondern auch der liebevollen Pflege, Aufzucht und Weiterführung zuerst durch den Lovecraft-(Brief)-Freundeskreis und dann durch begabte Horror-Schriftsteller wie Ramsey Campbell oder Brian Lumley (um nur ein paar zu nennen), die sich über die Jahrzehnte immer wieder mit den Großen Alten beschäftigt und diese zum Thema für ihre Romanzyklen gemacht haben. Nicht zu vergessen die ausgezeichneten Rollenspiele, die mit ihren ausführlichen und im Sinne des Mythos strikten Vorgaben zu einer wahren Fundgrube, auch für Nichtspieler, geworden sind.

Und heute? Der Mythos blüht und gedeiht weiter, immer wieder erreichen uns fantastische Anthologien, angeführt von prominenten Namen wie Neil Gaiman oder Ross E. Lockhart, mit Beiträgen jüngerer Megatalente von Charles Stross bis Tim Curran. Streitbare Historiker wie S. T. Joshi haben Lovecraft nach jedem denkbaren wissenschaftlichen Aspekt durchleuchtet und ihren Standpunkt in (teils) langatmigen Wälzern klargemacht. Auch das Comicgenre hat sich natürlich immer wieder mit dem Meister beschäftigt, mit dem Neonomicon hat da erst vor einiger Zeit einer der erlauchtesten Künstler des Genres – Alan Moore -  wieder für einen absoluten Höhepunkt gesorgt. (BB-Artikel dazu hier).

Alan Moore

Alan Moore

An der Filmfront sieht es derzeit etwas dürftiger aus, nach den trashigen Höhepunkten früherer Zeiten von Stuart Gordon und Brian Yuzna bleibt momentan nur Guillermo Del Toro übrig, der “At the Mountains of Madness” seit Jahren verfilmen möchte, aber keinen Geldgeber dafür findet. Immerhin haben wir eine hochnoble Vereinigung wie die H.P. Lovecraft Historical Society, welche uns seit Jahren in schöner Regelmäßigkeit mit hochwertigen Amateurfilmen, Hörspielen, Musicals(!) und ähnlichem Kultstoff beliefert.

Der Fan ist also bestens versorgt, dem Einsteiger bieten sich unzählige Möglichkeiten – mit einem Schönheitsfehler: All diese lebendige Mythos-Kultur findet hauptsächlich in englischer Sprache statt. Jetzt könnte man natürlich meinen, dass man heutzutage sowieso Bücher in Originalsprache lesen sollte; auch euer Docteur hat sich von den meisten Übersetzungen abgewandt, da die großen deutschen Verlage wohl eher nur mehr Übersetzungsprogramme statt Übersetzer zu beschäftigen scheinen. Nimm irgendeinen x-beliebigen Thriller-Autor (z.b. bei Heyne) in deutscher Übersetzung und du bekommst ein hingeschludertes Taschenbuch, stilistisch auf John Sinclair-Niveau und noch dazu voller Rechtschreib- und Grammatikfehler.

Reicht bestenfalls für den Flohmarkt: Lieblos übersetzte, mit Rechtschreibfehlern gespickte Thriller-Massenware

Reicht bestenfalls für den Flohmarkt: Lieblos übersetzte, mit Rechtschreibfehlern gespickte Thriller-Massenware

Damit nicht genug: Von einem Übersetzer, den ich persönlich kenne, wurde mir zugetragen, dass bei Übersetzungen für große Verlage oftmals Textteile ausgelassen würden, da der Verlag der Meinung war, diese würden den Leser “ja sowieso nicht interessieren”. Wenn manche Autoren bzw. deren Verlage wüssten, welches Schindluder da teilweise mit ihren Werken getrieben wird – da würden wohl ganz schnell einige Übersetzungsrechte zurückgezogen werden.

Der Gottvater der Suhrkamp-Fantastik: Franz Rottensteiner

Der Gottvater der Suhrkamp-Fantastik: Franz Rottensteiner

Euer Bloghost liest also hauptsächlich auf englisch, mag seinen Lovecraft allerdings trotzdem gerne auf Deutsch. Das hat mit meiner Generation zu tun, die mit der legendären violetten “Fantastik”-Reihe von Suhrkamp aufgewachsen ist. Kalju Kirde und Franz Rottensteiner haben da in einer beispiellosen Großtat alle Lovecraft-Prosa und Werke seiner Weird Fiction-Artgenossen einem deutschsprachigen Publikum zugänglich gemacht und liessen diese auch penibelst übersetzen (in einem Fall sogar von einem legendären Wiener Dichter, H. C. Artmann).

Viele Jahrzehnte sind seitdem ins Land gezogen, wie man so schön sagt, und die Suhrkamp-Taschenbücher (die meisten davon längst vergriffen) fristen ihr Dasein als zerlesene, längst vergilbte Zeitzeugen in unseren Bibliotheken. Abseits aller Nostalgie gibt es aber zum Glück einen Verleger, der dem Lovecraft-Fan in deutscher Sprache alles bietet, was das Herz begehrt.

Der Herr über das Himmelreich (oder passenderweise "Höllenreich") deutscher Fantastik: Frank Festa

Der Herr über das Himmelreich (oder passenderweise “Höllenreich”) deutscher Fantastik: Frank Festa

Über Frank Festa brauche ich den Lesern dieses Blogs wohl nicht allzu viel erzählen – was dieser Mann seit vielen Jahren auf eigenes Risiko leistet, um uns Fans mit den Übersetzungen aller Genreklassiker und Newcomer der angloamerikanischen Horror- und Crime-Literatur zu versorgen, ist und bleibt ein einzigartiges Phänomen und ist gar nicht oft genug zu würdigen.

Frank hat sich trotz seines dichtgedrängten Terminkalenders bereit erklärt, uns ein Interview zu gewähren, in dem er über seine persönliche Lovecraft-Faszination erzählt und zu weiteren Mythos-Autoren in seinem Verlag aus dem Nähkästchen plaudert.

Unzählige Menschen hat die Begegnung mit der Literatur von H. P Lovecraft meist in ihrer Jugend verändert und nie mehr losgelassen. Kannst du uns mal erzählen, wie der »deutsche Horrrorpapst« auf H. P. Lovecraft gestoßen ist?

FF: Genau so. Als Jugendlicher habe ich die Erzählung ›Die Ratten in der Wand‹ in LUTHERS GRUSELMAGAZIN gelesen – das hat mich umgehauen. Ich habe die Geschichte sofort nochmal gelesen (sowas habe ich nie wieder getan), weil da diese starke, mir tief vertraute Angst zu spüren war, und das war so faszinierend. Dabei war es eine schlechte, gekürzte Übersetzung. Aber die ungeheure Kraft Lovecrafts war zu spüren. Dann bin ich in die Stadt gefahren, zur Buchhandlung, und habe mich informiert, ob irgendetwas von Lovecraft in Deutschland erschienen ist – so Mitte der 80iger gab es ja noch kein Internet.

Und ja, wie Du schon sagst: Lovecraft hat mich verändert und nie wieder losgelassen.

Warum wirkt er so stark auf Jugendliche?

FF: Ich glaube, weil er in seinen Texten die Angst vor der Welt »da draußen« beschreibt. Offensichtlich schildert er den Schrecken des Kosmos, aber unterschwellig, verborgen auf Subebenen, auch unsere sozialen Ängste vor dem Fremden um uns herum. Die Angst vor der Welt der Erwachsenen ist für Jugendliche purer Horror. Irgendwie hat Lovecraft das vermittelt.

Noch etwas: Ich sage immer, Lovecraft schrieb »Orgasmus-Literatur«. Er deutet an, zieht zurück, deutet stärker an, weicht zurück, geht weiter vor … bis zum Höhepunkt der Geschichte. Dabei ist diese Pointe von Anfang an klar, oft schon im ersten Satz gesagt. Beim Sex wissen wir aber doch auch, wie es endet, oder? Das ist eine einmalige Erzählweise.

Waren es bei dir auch, wie bei uns allen, die violetten Suhrkamp-Taschenbücher, die Franz Rottensteiner herausgegeben hat?

Ja. Ich habe sie heute noch, mehrmals neu gekauft, weil sie so zerlesen waren.

Mit der kompletten Neuübersetzung des Prosa-Werks des Meisters, der umfangreichen BIBLIOTHEK DES SCHRECKENS und der Herausgabe von bisher nicht übersetzter Autoren des »inneren Zirkels« um Lovecraft sind deine Bemühungen um eine lebendige Mythos-Kultur einzigartig im deutschen Sprachraum – was treibt dich an, da immer weiterzumachen? Reich wird man damit wohl eher nicht …

FF: Na, ich liebe den Kerl, den Mythos, den Horror … Reich wird man nicht, sicher, ein guter Stundenlohn springt aber schon raus.

Wie erwähnt, kümmerst du dich auch um die Herausgabe der Autoren des »inneren Lovecraft-Zirkels«, die den Mythos weitergeschrieben bzw. vervollständigt haben – neben Robert E. Howard, Clark Ashton Smith (der 3. Band des Gesamtwerks erscheint in Kürze) veröffentlichst du gerade einen Roman des bis jetzt eher nur bei Insidern bekannten (und geschätzten) Frank Belknap Long – kannst du uns Näheres zu diesem Buch sagen?

FF: “Das Grauen aus den Bergen” enthält neben dem Roman noch weitere Cthulhu-Mythos-Geschichten und ein Nachwort von Joachim Körber, der auch fast den gesamten Band übersetzt hat.

Long war ein enger Freund von Lovecraft. Er hat als erster Autor Elemente des Mythos in sein eigenes Werk eingefügt. Der »römische Traum« in “Das Grauen aus den Bergen” stammt wörtlich aus einem Brief von Lovecraft. In “Die Weltraumfresser” treten die beiden sogar als Hauptfiguren auf.

Neben dem ausgezeichneten Mythos-Geschichten von Jeffrey Thomas gibt es beim Festa-Verlag seit einiger Zeit auch “Die Heimsuchung” von Whitley Strieber zu erwerben – den Autor kannte ich bis jetzt eher als UFO-Fanatiker, bevor mir dieser Roman in der Buchhandlung meines Vertrauens als »Mythos-Geheimtipp« in die Hand gedrückt wurde. Wie hast du denn diese Perle entdeckt?

FF: Diesen Titel habe ich meinem »größten Fan« zu verdanken. Thomas Ulbricht ruft seit Jahren einmal im Monat an, immer freitags, kauft alles, hat ein extra Festa-Regal in seiner Wohnung … Er gab mir den Tipp. Mir gefällt dieser Roman sehr, dieses bizarre Ende, wow, schön strange. Bei den Lesern kommt er leider nicht so gut an. Strieber hat übrigens mehrere großartige Horrorromane geschrieben!

Für jemanden, der in das große Werk rund um die »Großen Alten« nicht so eingeweiht ist, dürfte der Neueinstieg aufgrund der Vielzahl an Büchern etwas schwierig sein – was wäre deine Empfehlung für Neulinge? Die Lovecraft-Biographie? Ein Mythos-Sammelband? Oder Band 1 der Lovecraft-Ausgabe “Der kosmische Schrecken”?

FF: Erst einmal ein günstiges Werk, um reinzuschnuppern. Ich empfehle DIE CHRONIK DES CTHULHU-MYTHOS. Das sind 2 Bände, jeweils etwa 500 Seiten. Ein Neuling sollte Band 1 kaufen, darin erst die Storys lesen, ohne die Einführungen von Dr. Frenschkowski. Bei Gefallen kann er dann tiefer in den “Kosmischen Schrecken” eintauchen …

***

Und von den Empfehlungen des Chefs höchstpersönlich kommen wir nun passenderweise abschließend zu unserem Einkaufsguide, im Rahmen dessen wir euch einige Highlights aus dem reichhaltigen Festa-Verlagsprogramm besonders herzlich ans Herz drücken wollen. Here we go!

Für Neueinsteiger (aber nicht nur für die) wärmstens empfohlen: Die beiden “Chronik des Cthulhu-Mythos“-Bände – praller Mythos-Inhalt für die schmale Brieftasche!

Hier und hier bestellen.

Mein derzeitiger Favorit: Jeffrey Thomas, mir in der Vergangenheit eher durch seine “Punktown”-Romane bekannt, hat großartige Mythos-Geschichten geschrieben: modern, kraftvoll, fetzig. Meine Lieblingsstory: Ein Nerd, der einen Shoggoten zu seiner Sexsklavin macht (die Folgen kann man sich ausmalen).

Hier bestellen.

Dieser Mythos-Roman verdient Aufmerksamkeit: Stammt er doch von Whitley Strieber, der das Buch “Communion” geschrieben hat (dessen Verfilmung “Die Besucher” mit Christopher Walken zu den größten Schrecken meiner Jugend zählte). Strieber, der laut eigenen Angaben schon unzählige Male von Ausserirdischen entführt wurde, und in den USA eine höchst erfolgreiche Radioshow namens “Dreamland” betreibt, ist auch ein kompetenter Horror- und Mythos-Autor. Eine spannende Entdeckung!

Hier bestellen.

Es gäbe noch viele Bücher zu bewerben, dazu reicht unser Platz leider nicht. Aber besucht doch die Homepage des Festa Verlags, seht euch um! Es lohnt sich auf jeden Fall – für Neueinsteiger wie für den anspruchsvollen Fan.

Dr. Nachtstrom

Melisa Schwermer – Der Käfer.

•April 8, 2013 • 1 Kommentar

Ganz ehrlich: Wenn ich Erstlingswerke von mir bislang unbekannten AutorInnen lese, habe ich meist ein eher mulmiges Gefühl. Erstens weiß ich als Leserin nie, was mich erwartet, zweitens besteht – wie bei jedem Buch – die Gefahr, dass mir das Gelesene nicht gefällt. Gut, nun werdet Ihr denken, so ist das Leben, manche Stories gefallen einem und andere wiederum nicht … Und ja, ich stimme Euch zu – jedoch macht es einen Unterschied, ob mir zum Beispiel das neueste Werk von Edward Lee nicht zusagt, oder ob es der Roman von einem Jungschriftsteller ist, der mir bei aller Liebe nicht gefällt.

Edward Lee wird wahrscheinlich nicht mal wissen, dass es diese Negativrezension überhaupt gibt, für einen Jungautoren könnte jedoch eine kleine Welt zusammenbrechen, wenn ein Rezensent sein Werk nicht gutheißt oder vielleicht sogar die Schreibkunst des Autors/der Autorin bemängelt. Lange Rede, kurzer Sinn, ich freue mich über jede Rezensionsanfrage wie ein kleines Kind über Geschenke, und hoffe jedes Mal inständig, dass die Geschichte, die ich bewerten soll, gut ist, sodass ich mich nicht langweile, und der Schreibstil des Autors mit meinen Lesevorlieben harmoniert. So hatte ich also auch ein ganz kleines bisschen Bauchweh, als ich den Debütroman von Melisa Schwermer, “Der Käfer“, begann – zum Glück konnte ich die Baldriantropfen jedoch bereits nach wenigen Zeilen wieder wegräumen, denn schon nach dieser kurzen Zeit war klar, dass diese Frau zweifellos Talent hat.

Inhalt: “Der Käfer” ist ein verfluchtes Fahrzeug, das seine Besitzer ins Unglück stürzt. Kaum einer weiß von der negativen Aura, die das Fahrzeug umgibt, und all jene, die damit konfrontiert werden, erkennen zu spät, dass es kein Entrinnen gibt. “Der Käfer” zieht das Pech an, wie das Licht die Motten und macht gewissenhafte, gute Menschen zu kaltblütigen, sexbesessenen Killern.

Beim Lesen des Romanes fragt man sich unwillkürlich, ob Schwermer nicht mit den Werken großer Autoren, wie zum Beispiel Richard Laymon oder Brian Keene, sympathisiert. Zu offensichtlich sind gewisse Parallelen, wie zum Beispiel stupide Figuren, abwegige Handlungsverläufe, viel Sex und noch mehr Blutrünstigkeit.

Mehr als einmal kam mir beim Lesen der Novelle der Gedanke, dass mich die Kulisse irgendwie doch sehr stark an Richard Laymons “Nacht” erinnert. Ob dies von der Autorin beabsichtigt war oder nicht, sei dahin gestellt – für mich als bekennenden Hardcore-Laymon-Fan, war dies jedoch sehr erfreulich, nicht zuletzt, weil “Nacht” mein allererster Roman von Richard Laymon war und nach wie vor zu meinen absoluten Favourites gehört.

Schwermer hat die Figuren gut gezeichnet und sie mit der richtigen Menge an Details ausgestattet, sodass der Leser die Protagonisten zwar kennenlernt, jedoch nicht mit nutzlosen Informationen überschüttet wird (was für eine Geschichte in Novellenlänge absolut tödlich wäre).

Die Autorin schreibt durchwegs flüssig, zähe oder gar unnötige Passagen gibt es nicht. Ich persönlich habe an Schwermers Stil sofort Gefallen gefunden und habe mich von der ersten bis zur letzten Seite sehr gut unterhalten gefühlt.

Die Geschichte über den Käfer, der seine Besitzer dem Wahnsinn anheim fallen lässt, hat also all das, was das Herz der Comtesse höher schlagen lässt: Figuren, die handeln, wie es kein normaler Mensch tun würde, einige lustige, wenn auch absolut abwegige Twists in der Geschichte, den einen oder anderen kranken Killer und zum Darüberstreuen ein bisschen was von Richard Laymon. Ich persönlich habe mich köstlich amüsiert und empfehle “Der Käfer” mit reinem Gewissen allen Horror-Fans weiter. Es bleibt zu hoffen, dass die Schriftstellerin ihrem Stil treu bleibt und noch viele weitere, fesselnde Werke veröffentlicht – irgendwann vielleicht sogar in Taschenbuchlänge.

La Comtesse Noir

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“Der Käfer” von Melisa Schwermer kannst du hier erwerben.

Dee Hunter – Der Damm.

•März 22, 2013 • Hinterlasse einen Kommentar

Glaubt Ihr an Omen? Nein? Das könnte sich ändern, wenn Ihr diese Novelle lest … In „Der Damm“ geht es um ein Kraftwerk, das hoch oben in den Bergen ist. Eines Tages, während eines Schneesturms, erscheint das erste Mal seit langer Zeit ein ominöses, Unheil versprechendes Zeichen. Während die Männer im Kraftwerk versuchen, das Omen zu ignorieren, geschieht der erste Mord. Von der Außenwelt abgeschottet kann dies für die Arbeiter nur eines bedeuten: der Mörder befindet sich mitten unter ihnen …

Dee Hunter

Dee Hunter

Der Damm“ ist ein perfider Thriller, der ein tolles Lesevergnügen für zwischendurch garantiert. Interessante Charaktere, unerwartete Wendungen und eine Spur Mystery machen diese Novelle aus.

Ich habe mich auf den geschätzten 38 Buchseiten sehr gut unterhalten gefühlt. Ein paar Splatterszenen hier, die eine oder andere ekelige Ausführung dort – so macht eine Kurzgeschichte richtig Spaß. Die solide Erzählform rundet die Story perfekt ab. Fazit: Tolles Leseerlebnis, das Lust auf mehr macht!

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Die Homepage von Dee Hunter.

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damm

Edward Lee – Bighead.

•März 6, 2013 • 3 Kommentare

Wenn ich ein Buch wie dieses durch habe, mache ich mir oft einen Spaß daraus, die negativen Rezensionen durchzulesen. Diese sind fast genauso amüsant wie der Roman selbst. In solchen Bewertungen fallen Sätze wie „Literarisch wertvoll? Negativ!!!”

Handlung glaubwürdig? Negativ!!!” oder aber auch: “Wie krank kann man sein?? So einen Roman zu veröffentlichen ist jenseits jeden Geschmacks!!! Aber noch bekloppter muß man sein, so etwas auch noch zu lesen und gut zu finden. Unmöglich.” Nun gut: Du willst was literarisch Wertvolles, dann lies was von Marquis de Sade. Du brauchst ‘ne glaubwürdige Handlung, dann zieh dir eine Geschichte von Goethe rein. Und Dir ist sogar Sebastian Fitzek zu hart – dann lass mal schleunigst die Finger von Edward Lee … Fakt ist: Der Name Edward Lee steht für Sex, Blut und absolute Abartigkeit – wer mit sowas nicht klar kommt, sollte einen Roman wie „Bighead“ gar nicht aufschlagen. Das ist dasselbe, wenn man in einen Beate Uhse-Shop geht und sich darüber beschwert, dass es dort Sexspielzeug gibt. Soviel dazu.

Bighead“ bekam den Titel „most disturbing book“ verliehen – und dies zurecht. Dieser Roman ist so dermaßen krank und abartig, dass ich bei vielen Passagen einfach schmunzeln musste. Wer so eine Geschichte literarisch bewertet, statt sich davon unterhalten zu lassen, ist selber schuld.

Die Story handelt von einem jungen Mann namens „Bighead“ der nach dem Tod seines Großvaters die große, weite Welt erkunden will. Der Leser darf den Riesen auf seiner Reise durch die Wälder begleiten, auf der er weder vor Mord, Vergewaltigung noch Kannibalismus zurückschreckt.

Hut ab vor Lees Phantasie – solche dermaßen grotesken Szenarien würden den meisten Menschen wohl nicht mal in ihren abartigsten Albträumen einfallen. Nichts ist ihm zu heftig, keine Grausamkeit zuwider. Man braucht wirklich verdammt große Eier um eine Geschichte wie „Bighead“ zu Papier zu bringen und sie dann auch noch zu veröffentlichen.

Vielleicht stößt sich manch einer nicht nur an der Handlung des Buches sondern auch am Slang mit dem der Hauptprotagonist im Buch „spricht“. Naja, ich gebe zu, die Ausdrucksweise ist gewöhnungsbedürftig, jedoch keineswegs störend – man stellt sich ohnehin sehr schnell darauf ein.

Des Autors direkte Art gefällt mir persönlich sehr, sehr gut. Lee schwingt keine langen Reden, er sagt das, was gesagt werden muss und lässt alles andere beiseite, sodass der Leser vom Anfang bis zum Ende unter Spannung steht – Verschnaufpausen sind ein Luxus der uns in „Bighead“ nicht gewährt wird.

Ob manche Passagen unglaubwürdig waren oder nicht, sei dahin gestellt. Literarische Freiheit ist ein Gut, dessen sich jeder Autor bedienen darf. Lasst uns mal ehrlich sein: was wären Horrorromane ohne unrealistische Szenerien? Richtig – es würde einfach etwas fehlen, manch einer wäre wahrscheinlich sogar enttäuscht, wenn die Geschichte zu glatt ablaufen würde, oder? Also ja, es gibt groteske und unglaubwürdige Szenen, und nein, sie stören die Geschichte nicht.

Zusammenfassend kann man den Roman also folgendermaßen beschreiben: „Bighead“ bricht so ziemlich alle Tabus, die man sich als Leser vorstellen kann. Kaum eine Obszönität wird ausgelassen, kein Szenario ist zu grausam, Lee konfrontiert einen mit der puren Boshaftigkeit. Der Roman ist definitiv nur für jene geeignet, die den Humor solcher Geschichten verstehen, alle anderen sollen lieber die Finger davon lassen. Ich jedenfalls habe mich köstlich amüsiert und „Bighead“ hat mich großartig unterhalten – ich kann Edward Lees Geschichten ohne Bedenken weiterempfehlen.

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