Der Mythos lebt!

•April 17, 2013 • 2 Kommentare

Es ist nach wie vor erstaunlich: Da transformiert im ersten Viertel des vorigen Jahrhunderts ein kränklicher Nerd seine aberwitzigen Horrorfantasien zu einer Handvoll Geschichten, die zu seinen Lebzeiten nur in billigen Pulpheftchen veröffentlicht werden und erschafft auf diese unaufregende Weise einen Mythos, der so gewaltig ist, dass ihm heute noch Millionen von Fans auf der ganzen Welt huldigen.

Dass der Cthulhu-Mythos von H. P. Lovecraft auch heute noch so alive and well ist, verdankt er mit großer Sicherheit nicht nur der epischen Symbolkraft in den Werken des Meisters, sondern auch der liebevollen Pflege, Aufzucht und Weiterführung zuerst durch den Lovecraft-(Brief)-Freundeskreis und dann durch begabte Horror-Schriftsteller wie Ramsey Campbell oder Brian Lumley (um nur ein paar zu nennen), die sich über die Jahrzehnte immer wieder mit den Großen Alten beschäftigt und diese zum Thema für ihre Romanzyklen gemacht haben. Nicht zu vergessen die ausgezeichneten Rollenspiele, die mit ihren ausführlichen und im Sinne des Mythos strikten Vorgaben zu einer wahren Fundgrube, auch für Nichtspieler, geworden sind.

Und heute? Der Mythos blüht und gedeiht weiter, immer wieder erreichen uns fantastische Anthologien, angeführt von prominenten Namen wie Neil Gaiman oder Ross E. Lockhart, mit Beiträgen jüngerer Megatalente von Charles Stross bis Tim Curran. Streitbare Historiker wie S. T. Joshi haben Lovecraft nach jedem denkbaren wissenschaftlichen Aspekt durchleuchtet und ihren Standpunkt in (teils) langatmigen Wälzern klargemacht. Auch das Comicgenre hat sich natürlich immer wieder mit dem Meister beschäftigt, mit dem Neonomicon hat da erst vor einiger Zeit einer der erlauchtesten Künstler des Genres – Alan Moore -  wieder für einen absoluten Höhepunkt gesorgt. (BB-Artikel dazu hier).

Alan Moore

Alan Moore

An der Filmfront sieht es derzeit etwas dürftiger aus, nach den trashigen Höhepunkten früherer Zeiten von Stuart Gordon und Brian Yuzna bleibt momentan nur Guillermo Del Toro übrig, der “At the Mountains of Madness” seit Jahren verfilmen möchte, aber keinen Geldgeber dafür findet. Immerhin haben wir eine hochnoble Vereinigung wie die H.P. Lovecraft Historical Society, welche uns seit Jahren in schöner Regelmäßigkeit mit hochwertigen Amateurfilmen, Hörspielen, Musicals(!) und ähnlichem Kultstoff beliefert.

Der Fan ist also bestens versorgt, dem Einsteiger bieten sich unzählige Möglichkeiten – mit einem Schönheitsfehler: All diese lebendige Mythos-Kultur findet hauptsächlich in englischer Sprache statt. Jetzt könnte man natürlich meinen, dass man heutzutage sowieso Bücher in Originalsprache lesen sollte; auch euer Docteur hat sich von den meisten Übersetzungen abgewandt, da die großen deutschen Verlage wohl eher nur mehr Übersetzungsprogramme statt Übersetzer zu beschäftigen scheinen. Nimm irgendeinen x-beliebigen Thriller-Autor (z.b. bei Heyne) in deutscher Übersetzung und du bekommst ein hingeschludertes Taschenbuch, stilistisch auf John Sinclair-Niveau und noch dazu voller Rechtschreib- und Grammatikfehler.

Reicht bestenfalls für den Flohmarkt: Lieblos übersetzte, mit Rechtschreibfehlern gespickte Thriller-Massenware

Reicht bestenfalls für den Flohmarkt: Lieblos übersetzte, mit Rechtschreibfehlern gespickte Thriller-Massenware

Damit nicht genug: Von einem Übersetzer, den ich persönlich kenne, wurde mir zugetragen, dass bei Übersetzungen für große Verlage oftmals Textteile ausgelassen würden, da der Verlag der Meinung war, diese würden den Leser “ja sowieso nicht interessieren”. Wenn manche Autoren bzw. deren Verlage wüssten, welches Schindluder da teilweise mit ihren Werken getrieben wird – da würden wohl ganz schnell einige Übersetzungsrechte zurückgezogen werden.

Der Gottvater der Suhrkamp-Fantastik: Franz Rottensteiner

Der Gottvater der Suhrkamp-Fantastik: Franz Rottensteiner

Euer Bloghost liest also hauptsächlich auf englisch, mag seinen Lovecraft allerdings trotzdem gerne auf Deutsch. Das hat mit meiner Generation zu tun, die mit der legendären violetten “Fantastik”-Reihe von Suhrkamp aufgewachsen ist. Kalju Kirde und Franz Rottensteiner haben da in einer beispiellosen Großtat alle Lovecraft-Prosa und Werke seiner Weird Fiction-Artgenossen einem deutschsprachigen Publikum zugänglich gemacht und liessen diese auch penibelst übersetzen (in einem Fall sogar von einem legendären Wiener Dichter, H. C. Artmann).

Viele Jahrzehnte sind seitdem ins Land gezogen, wie man so schön sagt, und die Suhrkamp-Taschenbücher (die meisten davon längst vergriffen) fristen ihr Dasein als zerlesene, längst vergilbte Zeitzeugen in unseren Bibliotheken. Abseits aller Nostalgie gibt es aber zum Glück einen Verleger, der dem Lovecraft-Fan in deutscher Sprache alles bietet, was das Herz begehrt.

Der Herr über das Himmelreich (oder passenderweise "Höllenreich") deutscher Fantastik: Frank Festa

Der Herr über das Himmelreich (oder passenderweise “Höllenreich”) deutscher Fantastik: Frank Festa

Über Frank Festa brauche ich den Lesern dieses Blogs wohl nicht allzu viel erzählen – was dieser Mann seit vielen Jahren auf eigenes Risiko leistet, um uns Fans mit den Übersetzungen aller Genreklassiker und Newcomer der angloamerikanischen Horror- und Crime-Literatur zu versorgen, ist und bleibt ein einzigartiges Phänomen und ist gar nicht oft genug zu würdigen.

Frank hat sich trotz seines dichtgedrängten Terminkalenders bereit erklärt, uns ein Interview zu gewähren, in dem er über seine persönliche Lovecraft-Faszination erzählt und zu weiteren Mythos-Autoren in seinem Verlag aus dem Nähkästchen plaudert.

Unzählige Menschen hat die Begegnung mit der Literatur von H. P Lovecraft meist in ihrer Jugend verändert und nie mehr losgelassen. Kannst du uns mal erzählen, wie der »deutsche Horrrorpapst« auf H. P. Lovecraft gestoßen ist?

FF: Genau so. Als Jugendlicher habe ich die Erzählung ›Die Ratten in der Wand‹ in LUTHERS GRUSELMAGAZIN gelesen – das hat mich umgehauen. Ich habe die Geschichte sofort nochmal gelesen (sowas habe ich nie wieder getan), weil da diese starke, mir tief vertraute Angst zu spüren war, und das war so faszinierend. Dabei war es eine schlechte, gekürzte Übersetzung. Aber die ungeheure Kraft Lovecrafts war zu spüren. Dann bin ich in die Stadt gefahren, zur Buchhandlung, und habe mich informiert, ob irgendetwas von Lovecraft in Deutschland erschienen ist – so Mitte der 80iger gab es ja noch kein Internet.

Und ja, wie Du schon sagst: Lovecraft hat mich verändert und nie wieder losgelassen.

Warum wirkt er so stark auf Jugendliche?

FF: Ich glaube, weil er in seinen Texten die Angst vor der Welt »da draußen« beschreibt. Offensichtlich schildert er den Schrecken des Kosmos, aber unterschwellig, verborgen auf Subebenen, auch unsere sozialen Ängste vor dem Fremden um uns herum. Die Angst vor der Welt der Erwachsenen ist für Jugendliche purer Horror. Irgendwie hat Lovecraft das vermittelt.

Noch etwas: Ich sage immer, Lovecraft schrieb »Orgasmus-Literatur«. Er deutet an, zieht zurück, deutet stärker an, weicht zurück, geht weiter vor … bis zum Höhepunkt der Geschichte. Dabei ist diese Pointe von Anfang an klar, oft schon im ersten Satz gesagt. Beim Sex wissen wir aber doch auch, wie es endet, oder? Das ist eine einmalige Erzählweise.

Waren es bei dir auch, wie bei uns allen, die violetten Suhrkamp-Taschenbücher, die Franz Rottensteiner herausgegeben hat?

Ja. Ich habe sie heute noch, mehrmals neu gekauft, weil sie so zerlesen waren.

Mit der kompletten Neuübersetzung des Prosa-Werks des Meisters, der umfangreichen BIBLIOTHEK DES SCHRECKENS und der Herausgabe von bisher nicht übersetzter Autoren des »inneren Zirkels« um Lovecraft sind deine Bemühungen um eine lebendige Mythos-Kultur einzigartig im deutschen Sprachraum – was treibt dich an, da immer weiterzumachen? Reich wird man damit wohl eher nicht …

FF: Na, ich liebe den Kerl, den Mythos, den Horror … Reich wird man nicht, sicher, ein guter Stundenlohn springt aber schon raus.

Wie erwähnt, kümmerst du dich auch um die Herausgabe der Autoren des »inneren Lovecraft-Zirkels«, die den Mythos weitergeschrieben bzw. vervollständigt haben – neben Robert E. Howard, Clark Ashton Smith (der 3. Band des Gesamtwerks erscheint in Kürze) veröffentlichst du gerade einen Roman des bis jetzt eher nur bei Insidern bekannten (und geschätzten) Frank Belknap Long – kannst du uns Näheres zu diesem Buch sagen?

FF: “Das Grauen aus den Bergen” enthält neben dem Roman noch weitere Cthulhu-Mythos-Geschichten und ein Nachwort von Joachim Körber, der auch fast den gesamten Band übersetzt hat.

Long war ein enger Freund von Lovecraft. Er hat als erster Autor Elemente des Mythos in sein eigenes Werk eingefügt. Der »römische Traum« in “Das Grauen aus den Bergen” stammt wörtlich aus einem Brief von Lovecraft. In “Die Weltraumfresser” treten die beiden sogar als Hauptfiguren auf.

Neben dem ausgezeichneten Mythos-Geschichten von Jeffrey Thomas gibt es beim Festa-Verlag seit einiger Zeit auch “Die Heimsuchung” von Whitley Strieber zu erwerben – den Autor kannte ich bis jetzt eher als UFO-Fanatiker, bevor mir dieser Roman in der Buchhandlung meines Vertrauens als »Mythos-Geheimtipp« in die Hand gedrückt wurde. Wie hast du denn diese Perle entdeckt?

FF: Diesen Titel habe ich meinem »größten Fan« zu verdanken. Thomas Ulbricht ruft seit Jahren einmal im Monat an, immer freitags, kauft alles, hat ein extra Festa-Regal in seiner Wohnung … Er gab mir den Tipp. Mir gefällt dieser Roman sehr, dieses bizarre Ende, wow, schön strange. Bei den Lesern kommt er leider nicht so gut an. Strieber hat übrigens mehrere großartige Horrorromane geschrieben!

Für jemanden, der in das große Werk rund um die »Großen Alten« nicht so eingeweiht ist, dürfte der Neueinstieg aufgrund der Vielzahl an Büchern etwas schwierig sein – was wäre deine Empfehlung für Neulinge? Die Lovecraft-Biographie? Ein Mythos-Sammelband? Oder Band 1 der Lovecraft-Ausgabe “Der kosmische Schrecken”?

FF: Erst einmal ein günstiges Werk, um reinzuschnuppern. Ich empfehle DIE CHRONIK DES CTHULHU-MYTHOS. Das sind 2 Bände, jeweils etwa 500 Seiten. Ein Neuling sollte Band 1 kaufen, darin erst die Storys lesen, ohne die Einführungen von Dr. Frenschkowski. Bei Gefallen kann er dann tiefer in den “Kosmischen Schrecken” eintauchen …

***

Und von den Empfehlungen des Chefs höchstpersönlich kommen wir nun passenderweise abschließend zu unserem Einkaufsguide, im Rahmen dessen wir euch einige Highlights aus dem reichhaltigen Festa-Verlagsprogramm besonders herzlich ans Herz drücken wollen. Here we go!

Für Neueinsteiger (aber nicht nur für die) wärmstens empfohlen: Die beiden “Chronik des Cthulhu-Mythos“-Bände – praller Mythos-Inhalt für die schmale Brieftasche!

Hier und hier bestellen.

Mein derzeitiger Favorit: Jeffrey Thomas, mir in der Vergangenheit eher durch seine “Punktown”-Romane bekannt, hat großartige Mythos-Geschichten geschrieben: modern, kraftvoll, fetzig. Meine Lieblingsstory: Ein Nerd, der einen Shoggoten zu seiner Sexsklavin macht (die Folgen kann man sich ausmalen).

Hier bestellen.

Dieser Mythos-Roman verdient Aufmerksamkeit: Stammt er doch von Whitley Strieber, der das Buch “Communion” geschrieben hat (dessen Verfilmung “Die Besucher” mit Christopher Walken zu den größten Schrecken meiner Jugend zählte). Strieber, der laut eigenen Angaben schon unzählige Male von Ausserirdischen entführt wurde, und in den USA eine höchst erfolgreiche Radioshow namens “Dreamland” betreibt, ist auch ein kompetenter Horror- und Mythos-Autor. Eine spannende Entdeckung!

Hier bestellen.

Es gäbe noch viele Bücher zu bewerben, dazu reicht unser Platz leider nicht. Aber besucht doch die Homepage des Festa Verlags, seht euch um! Es lohnt sich auf jeden Fall – für Neueinsteiger wie für den anspruchsvollen Fan.

Dr. Nachtstrom

Melisa Schwermer – Der Käfer.

•April 8, 2013 • 1 Kommentar

Ganz ehrlich: Wenn ich Erstlingswerke von mir bislang unbekannten AutorInnen lese, habe ich meist ein eher mulmiges Gefühl. Erstens weiß ich als Leserin nie, was mich erwartet, zweitens besteht – wie bei jedem Buch – die Gefahr, dass mir das Gelesene nicht gefällt. Gut, nun werdet Ihr denken, so ist das Leben, manche Stories gefallen einem und andere wiederum nicht … Und ja, ich stimme Euch zu – jedoch macht es einen Unterschied, ob mir zum Beispiel das neueste Werk von Edward Lee nicht zusagt, oder ob es der Roman von einem Jungschriftsteller ist, der mir bei aller Liebe nicht gefällt.

Edward Lee wird wahrscheinlich nicht mal wissen, dass es diese Negativrezension überhaupt gibt, für einen Jungautoren könnte jedoch eine kleine Welt zusammenbrechen, wenn ein Rezensent sein Werk nicht gutheißt oder vielleicht sogar die Schreibkunst des Autors/der Autorin bemängelt. Lange Rede, kurzer Sinn, ich freue mich über jede Rezensionsanfrage wie ein kleines Kind über Geschenke, und hoffe jedes Mal inständig, dass die Geschichte, die ich bewerten soll, gut ist, sodass ich mich nicht langweile, und der Schreibstil des Autors mit meinen Lesevorlieben harmoniert. So hatte ich also auch ein ganz kleines bisschen Bauchweh, als ich den Debütroman von Melisa Schwermer, “Der Käfer“, begann – zum Glück konnte ich die Baldriantropfen jedoch bereits nach wenigen Zeilen wieder wegräumen, denn schon nach dieser kurzen Zeit war klar, dass diese Frau zweifellos Talent hat.

Inhalt: “Der Käfer” ist ein verfluchtes Fahrzeug, das seine Besitzer ins Unglück stürzt. Kaum einer weiß von der negativen Aura, die das Fahrzeug umgibt, und all jene, die damit konfrontiert werden, erkennen zu spät, dass es kein Entrinnen gibt. “Der Käfer” zieht das Pech an, wie das Licht die Motten und macht gewissenhafte, gute Menschen zu kaltblütigen, sexbesessenen Killern.

Beim Lesen des Romanes fragt man sich unwillkürlich, ob Schwermer nicht mit den Werken großer Autoren, wie zum Beispiel Richard Laymon oder Brian Keene, sympathisiert. Zu offensichtlich sind gewisse Parallelen, wie zum Beispiel stupide Figuren, abwegige Handlungsverläufe, viel Sex und noch mehr Blutrünstigkeit.

Mehr als einmal kam mir beim Lesen der Novelle der Gedanke, dass mich die Kulisse irgendwie doch sehr stark an Richard Laymons “Nacht” erinnert. Ob dies von der Autorin beabsichtigt war oder nicht, sei dahin gestellt – für mich als bekennenden Hardcore-Laymon-Fan, war dies jedoch sehr erfreulich, nicht zuletzt, weil “Nacht” mein allererster Roman von Richard Laymon war und nach wie vor zu meinen absoluten Favourites gehört.

Schwermer hat die Figuren gut gezeichnet und sie mit der richtigen Menge an Details ausgestattet, sodass der Leser die Protagonisten zwar kennenlernt, jedoch nicht mit nutzlosen Informationen überschüttet wird (was für eine Geschichte in Novellenlänge absolut tödlich wäre).

Die Autorin schreibt durchwegs flüssig, zähe oder gar unnötige Passagen gibt es nicht. Ich persönlich habe an Schwermers Stil sofort Gefallen gefunden und habe mich von der ersten bis zur letzten Seite sehr gut unterhalten gefühlt.

Die Geschichte über den Käfer, der seine Besitzer dem Wahnsinn anheim fallen lässt, hat also all das, was das Herz der Comtesse höher schlagen lässt: Figuren, die handeln, wie es kein normaler Mensch tun würde, einige lustige, wenn auch absolut abwegige Twists in der Geschichte, den einen oder anderen kranken Killer und zum Darüberstreuen ein bisschen was von Richard Laymon. Ich persönlich habe mich köstlich amüsiert und empfehle “Der Käfer” mit reinem Gewissen allen Horror-Fans weiter. Es bleibt zu hoffen, dass die Schriftstellerin ihrem Stil treu bleibt und noch viele weitere, fesselnde Werke veröffentlicht – irgendwann vielleicht sogar in Taschenbuchlänge.

La Comtesse Noir

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“Der Käfer” von Melisa Schwermer kannst du hier erwerben.

Dee Hunter – Der Damm.

•März 22, 2013 • Hinterlasse einen Kommentar

Glaubt Ihr an Omen? Nein? Das könnte sich ändern, wenn Ihr diese Novelle lest … In „Der Damm“ geht es um ein Kraftwerk, das hoch oben in den Bergen ist. Eines Tages, während eines Schneesturms, erscheint das erste Mal seit langer Zeit ein ominöses, Unheil versprechendes Zeichen. Während die Männer im Kraftwerk versuchen, das Omen zu ignorieren, geschieht der erste Mord. Von der Außenwelt abgeschottet kann dies für die Arbeiter nur eines bedeuten: der Mörder befindet sich mitten unter ihnen …

Dee Hunter

Dee Hunter

Der Damm“ ist ein perfider Thriller, der ein tolles Lesevergnügen für zwischendurch garantiert. Interessante Charaktere, unerwartete Wendungen und eine Spur Mystery machen diese Novelle aus.

Ich habe mich auf den geschätzten 38 Buchseiten sehr gut unterhalten gefühlt. Ein paar Splatterszenen hier, die eine oder andere ekelige Ausführung dort – so macht eine Kurzgeschichte richtig Spaß. Die solide Erzählform rundet die Story perfekt ab. Fazit: Tolles Leseerlebnis, das Lust auf mehr macht!

La Comtesse Noir

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Die Homepage von Dee Hunter.

“Der Damm” kannst du hier kaufen.

damm

Edward Lee – Bighead.

•März 6, 2013 • 3 Kommentare

Wenn ich ein Buch wie dieses durch habe, mache ich mir oft einen Spaß daraus, die negativen Rezensionen durchzulesen. Diese sind fast genauso amüsant wie der Roman selbst. In solchen Bewertungen fallen Sätze wie „Literarisch wertvoll? Negativ!!!”

Handlung glaubwürdig? Negativ!!!” oder aber auch: “Wie krank kann man sein?? So einen Roman zu veröffentlichen ist jenseits jeden Geschmacks!!! Aber noch bekloppter muß man sein, so etwas auch noch zu lesen und gut zu finden. Unmöglich.” Nun gut: Du willst was literarisch Wertvolles, dann lies was von Marquis de Sade. Du brauchst ‘ne glaubwürdige Handlung, dann zieh dir eine Geschichte von Goethe rein. Und Dir ist sogar Sebastian Fitzek zu hart – dann lass mal schleunigst die Finger von Edward Lee … Fakt ist: Der Name Edward Lee steht für Sex, Blut und absolute Abartigkeit – wer mit sowas nicht klar kommt, sollte einen Roman wie „Bighead“ gar nicht aufschlagen. Das ist dasselbe, wenn man in einen Beate Uhse-Shop geht und sich darüber beschwert, dass es dort Sexspielzeug gibt. Soviel dazu.

Bighead“ bekam den Titel „most disturbing book“ verliehen – und dies zurecht. Dieser Roman ist so dermaßen krank und abartig, dass ich bei vielen Passagen einfach schmunzeln musste. Wer so eine Geschichte literarisch bewertet, statt sich davon unterhalten zu lassen, ist selber schuld.

Die Story handelt von einem jungen Mann namens „Bighead“ der nach dem Tod seines Großvaters die große, weite Welt erkunden will. Der Leser darf den Riesen auf seiner Reise durch die Wälder begleiten, auf der er weder vor Mord, Vergewaltigung noch Kannibalismus zurückschreckt.

Hut ab vor Lees Phantasie – solche dermaßen grotesken Szenarien würden den meisten Menschen wohl nicht mal in ihren abartigsten Albträumen einfallen. Nichts ist ihm zu heftig, keine Grausamkeit zuwider. Man braucht wirklich verdammt große Eier um eine Geschichte wie „Bighead“ zu Papier zu bringen und sie dann auch noch zu veröffentlichen.

Vielleicht stößt sich manch einer nicht nur an der Handlung des Buches sondern auch am Slang mit dem der Hauptprotagonist im Buch „spricht“. Naja, ich gebe zu, die Ausdrucksweise ist gewöhnungsbedürftig, jedoch keineswegs störend – man stellt sich ohnehin sehr schnell darauf ein.

Des Autors direkte Art gefällt mir persönlich sehr, sehr gut. Lee schwingt keine langen Reden, er sagt das, was gesagt werden muss und lässt alles andere beiseite, sodass der Leser vom Anfang bis zum Ende unter Spannung steht – Verschnaufpausen sind ein Luxus der uns in „Bighead“ nicht gewährt wird.

Ob manche Passagen unglaubwürdig waren oder nicht, sei dahin gestellt. Literarische Freiheit ist ein Gut, dessen sich jeder Autor bedienen darf. Lasst uns mal ehrlich sein: was wären Horrorromane ohne unrealistische Szenerien? Richtig – es würde einfach etwas fehlen, manch einer wäre wahrscheinlich sogar enttäuscht, wenn die Geschichte zu glatt ablaufen würde, oder? Also ja, es gibt groteske und unglaubwürdige Szenen, und nein, sie stören die Geschichte nicht.

Zusammenfassend kann man den Roman also folgendermaßen beschreiben: „Bighead“ bricht so ziemlich alle Tabus, die man sich als Leser vorstellen kann. Kaum eine Obszönität wird ausgelassen, kein Szenario ist zu grausam, Lee konfrontiert einen mit der puren Boshaftigkeit. Der Roman ist definitiv nur für jene geeignet, die den Humor solcher Geschichten verstehen, alle anderen sollen lieber die Finger davon lassen. Ich jedenfalls habe mich köstlich amüsiert und „Bighead“ hat mich großartig unterhalten – ich kann Edward Lees Geschichten ohne Bedenken weiterempfehlen.

La Comtesse Noir

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“Bighead” von Edward Lee kannst du dir hier bestellen.

Ronald Malfi – Die Treppe im See.

•Februar 12, 2013 • Hinterlasse einen Kommentar

Mitte 2011 wurde Ronald Malfis Roman „Snow – Die Kälte“ veröffentlicht. Natürlich musste ich mir das Buch schon Monate vorher bestellen, damit ich es wohl pünktlich zum Erscheinungstermin in Händen halten konnte. Dann kam der Dämpfer: die Geschichte war gut, ja, dennoch hat sie mich nicht voll und ganz vereinnahmt. Zu viele lange Passagen, zu viele abstruse Szenerien – ja, ich gebe zu, ich war etwas enttäuscht. Als dann im Herbst 2012 „Die Treppe im See“ erschienen ist, war ich jedoch abermals guter Dinge, da der Klapptext wirklich viel versprach und die Rezensionen zum Roman einfach bombastisch waren. Ob mich Malfis neuer Roman nun letztendlich überzeugt hat, könnt ihr in meiner Rezension zu „Die Treppe im See“ nachlesen.

banna

Als Travis und Jodie Glasgow in ihr neues Haus am See ziehen, glaubt das junge Ehepaar das große Los gezogen zu haben. Schon kurz nach der Ankunft ereignen sich jedoch eigenartige Dinge im neuen Heim: Travis hört unheimliche Schritte und sieht nachts Schatten durch die Flure huschen. Auch die merkwürdige Treppe im See übt eine mächtige Anziehung auf ihn aus und scheint von Rätseln umwoben zu sein. Bald stellt sich heraus, dass auch ihr Haus eine dunkle Geschichte hat, doch Travis ahnt nicht, welche Opfer er bringen muss, um hinter das blutige Geheimnis zu kommen.

banna

Eines vorweg: Ronald Malfi ist kein Mann der wenigen Worte. Der Autor scheint ein Faible dafür zu haben Geschichten auszuschmücken, ja diese geradezu für den Leser zu zeichnen. Jeder, der meine Lesevorlieben kennt, weiß, dass ich kein Freund jeglicher unnötiger Umschreibungen bin. Ich mag es, wenn sich Stories auf das Wesentliche beschränken, bei allem anderen kann es passieren, dass ich mich sehr schnell langweile. Ich sags euch wie es ist: „Die Treppe im See“ war für mich hart an der Grenze – dennoch finde ich, dass Malfis überaus „blumiger“ Stil (blumig im Sinne von ausschmückend) sehr gut zu dieser Geschichte passt. Die Erzählung erhält dadurch ein gewisses Flair und wird durch ebendies zu etwas Besonderem.

banna

Malfis Liebe zum Detail wird auch deutlich, wenn man sich dessen Figur „Travis Glasgow“ genauer ansieht. Der Autor hat diesem Protagonisten so gekonnt Leben eingehaucht und ihn mit einer faszinierenden wie auch erschütternden Vergangenheit ausgestattet, dass es mir eine außerordentliche Freude war, Travis durch die Geschichte begleiten zu dürfen. Schon dieser Charakter allein – so finde ich – macht das Buch lesenswert.

banna

Die dunkle Bedrohung, die man die ganze Erzählung lang spürt, gibt einem das Gefühl, etwas richtig großem auf der Spur zu sein und just wenn man meint, das Geheimnis entschlüsselt zu haben, schlägt Malfi wieder einen Haken und alles kommt ganz anders, als man es ursprünglich erwartet hatte. Der Autor versteht es, den Spannungspegel konstant oben zu halten, Langeweile ist – trotz der vielen Ausschweifungen – ein Fremdwort. All dies lässt den Leser in die Geschichte eintauchen und gibt ihn erst wieder frei, wenn er das Geheimnis gelüftet und das Buch zugeschlagen hat.

banna

Das einzige, was mir am Roman nicht gefallen hat, war das Ende. Bei so viel Einfallsreichtum und künstlerischem Können, habe ich mir doch etwas mehr erwartet, als das, was mir letztendlich geboten wurde. Vielleicht liegt es aber auch an mir – eventuell habe ich in Büchern einfach schon so viel erlebt, dass ich kaum noch zu schockieren bin. So habe ich mir bei der „Treppe im See“ etwas Großes am Ende erhofft, etwas, das mich zum Nachdenken bringt und mich das Buch staunend und mit offenem Mund zuschlagen lässt. Nun, dies ist natürlich etwas, das absolut subjektiv ist – ich bin mir sicher, den meisten, wenn nicht fast allen, gefällt das Ende genauso wie es ist und das ist auch gut so – denn in Romanen ist es wie im „richtigen“ Leben: man kann es nie allen recht machen.

banna

Die Treppe im See“ ist meiner Meinung ein sehr gelungenes Werk, das Lust auf mehr macht. Mehr subtilen Horror, mehr tiefgründige Charaktere und – das aus meinem Munde – mehr blumige Erzählungen. Ronald Malfi ist ein absolut außergewöhnlicher Autor, der neben schriftstellerischem Talent auch das nötige Fingerspitzengefühl mitbringt und einem Roman so das gewisse Etwas verleiht.

La Comtesse Noir

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“Die Treppe im See” von Ronald Malfi kannst du dir hier bestellen.

Superhelden, Zombies und Pulp Fiction.

•Februar 8, 2013 • 3 Kommentare

Nachdem Freunde jahrelang auf mich eingeredet haben, hab ich mich vor einiger Zeit endlich getraut und meinen ersten Roman auf Englisch gelesen. Das befürchtete ständige Hinzuziehen eines Wörterbuchs blieb aus, weil ich gemerkt habe, dass man einzelne, einem unbekannte Wörter auch im Zusammenhang der Sätze verstehen kann.

Kultshop: Das "Mord und Musik" in Wien.

Kultshop: das “Mord und Musik” in Wien.

Und wie mein Lieblingsbuchhändler Walter Robotka vom Wiener Kultladen “Mord und Musik” unlängst orakelte, als ich zum ersten Mal ehrfürchtig vor dem Regal mit englischer Horror- und Krimi-Literatur stand, “Jetzt eröffnet sich dir ein riesiges Universum”. Viele Romane und unzählige, herrliche Recherchewochen später muss ich sagen, er hat so dermaßen recht! Neben den vielen Autoren, die bei uns mehr schlecht als recht auf Deutsch übersetzt werden und den unzähligen Schriftstellern, von denen man hier sowieso nix erfährt, faszinieren mich derzeit verschiedene Genres, von deren Existenz ich bisher nicht wusste. Zum Beispiel “Superhero Noir”, also Romane über eigens erfundene Superhelden, die sich mit ihren speziellen Fähigkeiten für die Rettung der Menschheit vor Horden von Zombies einsetzen müssen. Da purzeln die Schubladen wild durcheinander, ergeben ein brodelndes, neues Gebräu, welches unheimlich gut mundet.

Absolut amerikanisch: Das Pulp Magazin.

Absolut amerikanisch: das Pulp-Magazin.

Bei uns würde man sowas höchstens als Satire durchgehen lassen. Gerade aber die Ernsthaftigkeit, mit der sich viel junge US-Autoren (begünstigt durch die neuen, unkomplizierten Publikationsmöglichkeiten des Ebook-Marktes) solcher “schräger” oder für bornierte Literaturliebhaber gar “kindischer” Themen annehmen, hat ihren Grund in der Unverkrampftheit, mit der Amerika überhaupt mit seiner Trashkultur umgeht. Dazu muss ich an dieser Stelle ein wenig ausholen, weil es da etwas gibt, auf das ich als Europäer total neidisch bin: auf die reichhaltige Historie von Pulp-Magazinen nämlich. Denn etwas Vergleichbares hat es bei uns kaum jemals gegeben. Klar, schon immer Heftromane, aber an die verrückte Fantasie der Amerikaner kam da niemals jemand heran. Dafür ist die deutschsprachige Kultur, seien wir ehrlich, viel zu spießbürgerlich, zu miefig, zu schwerfällig und viel zu sehr von ihrer eigenen Wichtigkeit überzeugt.

Unendliche Welten, unendliche Genres, unendliche Fantasie.

Unendliche Welten, unendliche Genres, unendliche Fantasie.

Und während wir bornierten deutschsprachigen Menschen bei “Trash” ständig mit Naserümpfen einerseits und heimlichen Obsessionen andererseits beschäftigt sind, lieben die Amerikaner ihn ungebremst und hemmungslos. Und sie nehmen ihn total ernst. Das ist mir in vielerlei Hinsicht sehr nahe. Auch meine Begeisterung möchte ja gar keine Grenzen kennen, in mir wohnt noch immer das Kind, welches sich im Sandkasten binnen Minuten seine hermetische Wunderwelt zaubert, mein Geist spielt immer noch begeistert Modelleisenbahn und das wird sich auch bis zu meinem Tod nicht ändern.

Die alten Schätze gibt es seit geraumer Zeit auch als Ebooks.

Die alten Schätze gibt es seit geraumer Zeit auch als Ebooks.

Deswegen meine immer wieder aufflammende Begeisterung für amerikanische Pulp-Magazine, aktuell wieder angeheizt durch die schöne, neue, digitale Welt. Die Abenteuer der klassichen Pulp-Helden und natürlich Superschurken sind nämlich seit der Geburt des Kindle-Shops auch bei uns als Ebooks erhältlich, und das in wunderschönen Kollektionen, teilweise zu Cent-Preisen.

"Dark Metahuman Fiction" - Neue Genres galore.

“Dark Metahuman Fiction” – Neue Genres galore.

Aber eben nicht nur die klassische Pulp-Literatur. Da hat sich seit einigen Jahren, von uns in Europa unbemerkt, eine popkulturelle Nische aufgetan, die mich unendlich fasziniert. Da fließt eine ganze Strömung plötzlich rückwärts; die maskierten Helden der alten Zeit, “The Shadow” zum Beispiel, oder “The Spider”, waren ja der definitive Blueprint für die ersten Superheldencomics und nun sind die stark weiterentwickelten Superhelden (und Superschurken) der Comics wieder Vorbilder für ein neu erwachtes Pulpgenre geworden. Dank der Postmoderne ist das ganze “Super”-Konstrukt nun aber tausendfach komplexer und ausgefuchster als die alten, eher einfach gestrickten Abenteurer (die aber auch noch immer nicht in Pension geschickt wurden – der ehrwürdige “Mann aus Bronze” zum Beispiel, Doc Savage, rettet dank hochkarätiger Fan-Autoren weiterhin die Welt).

Legendär: Das "Wild Cards-Universum" unter der Leitung von George R.R. Martin.

Legendär: das “Wild Cards-Universum” unter der Leitung von George R.R. Martin.

Eine andere geniale Idee, die bei uns kaum literarische Verwendung findet, muss man an dieser Stelle unbedingt nennen: das Crossover. Der grenzgeniale George R.R. Martin, vielen nur als “Game of Thrones”-Urheber bekannt, hat bereits in den 1980er-Jahren mit seinen “Wild Cards” die sogenannte “Shared World-Anthologie” eingeführt, bei der verschiedene Autoren unterschiedliche Figuren in einem vorher genau definiertem Universum agieren lassen.

Ein äusserst erfolgreiches Beispiel der Zusammenlegung zweier literarischer Welten.

Ein äußerst erfolgreiches Beispiel der Zusammenlegung zweier literarischer Welten.

Obwohl solche aufwendigen Gemeinschaftsprojekte heutzutage kaum mehr anzutreffen sind, haben sich seit einiger Zeit doch eine Menge Zweierteams gebildet – als Beispiel seien hier der mega-umtriebige J. A. Konrath (Jack Kilborn) und sein Kollege Blake Crouch genannt, zwei sehr erfolgreiche Thrillerautoren, die in einem gemeinsamen Setting ihre hauptsächlich bösen Hauptfiguren zusammengeführt haben und in den Werken “Serial” und “Killers” (zusammengefasst und uncut hier) insgesamt über 20 fiese Serienkiller in einem gigantischen Schlachtfest aufeinander losgelassen haben.

"The Rook", ein neuer Pulp-Held.

“The Rook”, ein neuer Pulp-Held.

Auch neue Pulpverlage wie “Pro Se Productions” betreiben die Kunst des Crossover auf sehr hohem (und respektvollem) Niveau – wenn der Held von “The Rook” bei einem Fall dann plötzlich mit dem einzigen deutschen Pulphelden Sun Koh (der seine Abenteuer ja bereits im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts erlebte) kooperiert, da freuen sich (zumindest) die Eingeweihten.

"Crypto Squad", mein derzeitiges Lieblingsebook von Eric S. Brown.

“Crypto Squad”, mein derzeitiges Lieblingsebook von Eric S. Brown.

Gegenwärtig lese ich eine Novelle von Eric S. Brown, dessen überbordende Fantasie ich schon in Kultwerken wie “Cowboys vs. Zombies” oder dem mehrteiligen “Bigfoot War” bewundern durfte. In “Crypto Squad” nimmt ein Supermonster-Team den Kampf gegen eine aus allen Löchern, Ritzen und Gräbern hervorquellende Zombie-Plage auf. Das Team wird von zwei Menschen geleitet, welche die brandgefährlichen Monster mit im Kopf implantierten Chips einigermaßen unter Kontrolle halten. Da gibt es z.b. den legendären “Mothman”, dessen scharfe, dünne Flügel jeden Untoten köpfen können und der die Abstände zwischen den Molekülen seines Körpers so erweitern kann, dass jeglicher bewaffnete Angriff einfach durch ihn hindurchgeht. Weiters im Fabelwesen-Team: ein paar Sasquatch (aka Bigfoot, das persönliche Steckenpferd des Autors), ein Jersey Devil, ein furchtbarer El Chupacabra (der so wild ist, dass er erst vor dem Kampf aus einem Käfig gelassen wird und sofort, nachdem er alles in kleine Stücke zerfetzt hat, betäubt werden muss) und noch seltsamere Wesen wie mongolische Todeswürmer.

"Black Jericho", die einzig nennenswerte deutsche "Pulp"-Serie.

“Black Jericho”, die einzig nennenswerte deutsche “Pulp”-Serie.

Dies nur als kleines Beispiel, wie es in dieser Art von Romanen abgeht; unbedingt möchte ich an dieser Stelle noch auf den einzig wahren aktuellen Pulp-Schriftsteller aus Deutschland hinweisen, auf den hier kürzlich vorgestellten Des Romero. Neben seiner großartigen “Höllenjäger”-Reihe schreibt Bernd (aka Des) noch unter dem Pseudonym Mark Sutton für die “Black Jericho”-Reihe, deren Setting, Erfindungsreichtum und Härtegrad locker mit den amerikanischen Vorbildern mithalten kann. Solltet ihr unbedingt mal anchecken, Band 1 ist als Ebook sogar gratis zu beziehen, und zwar hier.

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Hier findest du alle Ebooks von Eric S. Brown, hier die Homepage von Pro Se Productions und hier die Homepage von Black Jericho.

Haarmann.

•Februar 1, 2013 • Hinterlasse einen Kommentar

„Warte, warte nur ein Weilchen, bald kommt Haarmann auch zu dir,
mit dem kleinen Hackebeilchen, macht er Schabefleisch aus dir.
Aus den Augen macht er Sülze, aus dem Hintern macht er Speck,
aus den Därmen macht er Würste und den Rest, den schmeißt er weg.“

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Es dürfte den meisten bekannt sein, daß das makabere Haarmann-Lied auf die unfaßbaren Taten des berüchtigtsten Serienmörders Deutschlands zurückgeht, Fritz Haarmann (1879-1925). Und den Film “Der Totmacher“, in dem die Vernehmung Haarmanns (beängstigend gut gespielt von Götz George) durch den Psychiatrieprofessor Ernst Schultze kammerspielartig und in enger Anlehnung an die Original-Verhörprotokolle von 1924 inszeniert wird, haben wohl auch die meisten gesehen, die sich für die Geschichte von Serienmördern interessieren.

Seit Oktober 2010 gibt es nun aber auch einen Comic, der sich des „Vampirs von Hannover“ annimmt (Haarmann pflegte seine Opfer, die „Puppenjungs“, mit einem Biß in den Hals zu töten, nachdem er mit ihnen „poussiert“ hatte; danach zerstückelte er sie und verkaufte ihr Fleisch im Viertel an dankbare Nachbarn). Autor Peer Meter geht im Gegensatz zum Film aber nicht auf das Verhör ein, sondern beschreibt schlicht die Taten Haarmanns – nüchtern, aber nicht distanziert. Zusammen mit den kargen Schwarz-/Weiß-Zeichnungen von Isabel Kreitz, die einem die bedrückende Atmosphäre der Armutsviertel von Hannover nach dem Ersten Weltkrieg auf fast schon unangenehme Weise vor Augen führen, ergibt das eine eigentümlich quälende, ja geradezu bedrohliche Stimmung, in der man sich als Leser wiederfindet.

Bild anklicken für größere Darstellung.

Fast scheint es, als mache uns das Autorenduo zu Komplizen. Ein wesentlicher Aspekt der historischen Ereignisse wie der Erzählung im Comic ist ja auch die Tatsache, daß die Behörden lange Zeit beide Augen vor den Geschehnissen verschlossen: Haarmann war nämlich ein Polizeispitzel, ein „Kriminal“, wie er sich nannte. So konfrontiert man uns nicht nur mit all der Nahrungs- und Kleidungsknappheit überall, sondern auch mit einem beispiellosen Justizskandal, in dessen Rahmen allerlei schlampige Ermittlungsarbeiten hätten vertuscht werden sollen … ein Schelm, wer Böses dabei denkt und Parallelen von der Weimarer Republik zu heutigen Zuständen zieht!

Haarmann – in gewisser Hinsicht aktueller denn je.

Doch insbesondere die Charakterisierung des Protagonisten Haarmann selbst ist den Autoren hervorragend gelungen. Daß man als Leser gar nicht anders kann, als sich mit der Hauptfigur zu identifizieren und dadurch gezwungen ist, während der Lektüre durch die Augen eines bestialischen Mörders zu blicken, macht dieselbe nur um so beklemmender. Denn Haarmann ist beileibe kein stylisher, im Grunde ganz freundlicher Killer wie etwa ein Dexter Morgan, sondern schlicht ein widerlicher Soziopath, der nichts Bewundernswertes an sich hat. Um so abstoßender ist der Blick in den eigenen Abgrund, der sich einem durch diese Graphic Novel eröffnet!

Bernhard Reicher

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Die digitale Bedrohung.

•Januar 29, 2013 • 2 Kommentare

Euer Bloghost liebt Ebooks, egal ob im mobi-Format (etwas ärgerlich, weil nirgendwo ausser von Amazon verwendet) oder als sich allgemein in immer größerem Maße durchsetzenden epub – sogar pdf-Dateien lese ich zwischendurch mal, weil der Aldiko-Reader auf meinem Tablet die recht zufriedenstellend darstellen kann.

03.00. – Her mit neuen Büchern!

Ich findes es einfach extrem geil, 1) mir um 03.00 früh, bereits im Bett liegend, den neuesten Bestseller innerhalb einer halben Minute auf mein Lesegerät holen zu können, und 2.) mir eine virtuelle Bibliothek aufbauen zu können, die keinen “Raum” okkupiert.

Klasse: Die virtuelle Bibliothek des Aldiko Reader.

Klasse: Die virtuelle Bibliothek des Aldiko Reader.

Natürlich bin ich auch noch immer ein Fan gedruckter Erzeugnisse, bloß habe ich bereits locker 7000 Bücher in meiner Bibliothek und will nicht wieder damit beginnen, neue Regale in neuen Zimmern, die nicht dafür gedacht waren, aufzubauen. Und weiters freut sich mein geplagter Rücken, wenn ich so wie früher keine tonnenschwere Bücherladung mehr ständig mit mir herumschleppe; momentan habe ich so ca. 2500 ausgewählte Ebooks auf meinem Tablet, man stelle sich vor, ich müsste diese, für mich Sammler einfach notwendige Anzahl an Büchern ständig mit einem Laster mit mir herumführen.

So einen LKW bräuchte ich und Soldaten mit Kanone, um meine Lieblingsbücher zu beschützen. Jawohl.

So einen LKW bräuchte ich und Soldaten mit Kanone, um meine Lieblingsbücher zu beschützen. Jawohl.

Besonders freue ich mich natürlich immer über diverse Facebook-Gruppen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die unzähligen Gratis-Aktionen des grössten Ebook-Anbieters im deutschsprachigen Raum zu posten; diese Postings sind netterweise sogar vorsortiert, d.h. ich brauche mich in den meisten Fällen nicht einmal darum zu sorgen, ob das empfohlene Gratisebook vielleicht Schrott sein könnte oder nicht.

Hier wäre ein E-Reader die absolut sinnvolle Alternative.

Hier wäre ein E-Reader die absolut sinnvolle Alternative.

Natürlich bringt das digitale Buch per se Widerspruch hervor – von den Ewiggestrigen zum Beispiel, die nicht verstehen wollen, daß man einen Roman digital genauso wunderbar lesen kann wie analog – übrigens ist davon weder der traditionelle Buchhandel bedroht (wie das Weihnachtsgeschäft 2012 wieder ausreichend demonstriert hat), noch ist ein allgemeiner Verfall der Buchkultur allgemein zu bemerken – das digitale Buch ist einfach eine Bereicherung, das müsst ihr Ultra-Traditionalisten doch endlich einmal einsehen. Die Preisgestaltung digitaler Releases kann man natürlich diskutieren (ich zum Beispiel habe bereits vor längerer Zeit begonnen, meine Ebooks hauptsächlich in englischer Originalsprache statt in deutscher Übersetzung zu lesen, weil diese oftmals nicht gut ist, und die englischen Ebooks um mehr als die Hälfte billiger sind als die deutschen Pendants).

Die Gier 01 - Kampf der Schnäppchenjäger.

Die Gier 01 – Kampf der Schnäppchenjäger.

Die “Gratisaktionen” von Amazon für Ebooks allerdings sind ein Fall für sich: Sie fordern nämlich die schlechtesten Eigenschaften im Menschen heraus. Was ich damit meine? Die Tendenz von uns, alles was billig oder kostenlos ist, zu bunkern, ohne Sinn und Verstand. Mein Schlüsselerlebnis dazu war vor einigen Jahren der öffentliche Abverkauf des Bestands einer öffentlichen Bibliothek in meiner Heimatstadt – nichts Böses ahnend, begab ich mich in das entsprechende Zelt, in dem die Bücher um 50 Cent abverkauft und teilweise auch gratis hergeschenkt wurden – und fand mich in einem unglaublich bizarren Chaos wieder. Da waren Menschen, die sich anbrüllten, sich gegenseitig Bücher aus den Händen rissen, sich von den Ständen wegstießen, ihre Beutestücke in Koffer warfen, nur um mehr abzusahnen als andere. Ein Erlebnis, welches dem Kulturpessimisten und Misanthropen in mir lange Zeit reichlich Nahrung gab.

Die Gier 02 - Die Schlacht um vermeintliche Sonderangebote.

Die Gier 02 – Die Schlacht um vermeintliche Sonderangebote.

Ein Blogartikel, der mich schon ziemlich nachdenklich gemacht hat, berichtet ähnliches von den erwähnten Gratis-Aktionen. Da erzählen betroffene Autoren von einem tausendfachen Download ihrer Werke, der nach Beendigung des kostenlosen Downloads sofort wieder gegen Null tendierte. Oder von Mails diverser Leser an Autoren, wann ihr Buch x/y denn “gratis zum Download bereitstünde” – bei nicht genehmer Antwort gab es dann schon mal eine negative Rezension des Produktes aus Rache.

Bücher kaufen, für Autoren interessieren und sie knuddeln, wenn möglich (wie hier James Ellroy); auch dessen Romane gibt es übrigens als preiswerte Ebooks.

Bücher kaufen, für Autoren interessieren und sie knuddeln, wenn möglich (wie hier James Ellroy); auch dessen Romane gibt es übrigens als preiswerte Ebooks.

Und hier erhebe ich nun meinen moralischen Zeigefinger, von dem ich gar nicht wusste, dass er existiert und mahne (auch mich selbst), von dieser peinlichen und zerstörerischen Sammelwut Abstand zu nehmen. Es ist nichts dabei, sich hin und wieder ein kostenloses Ebook zu gönnen, vor allem, wenn das (wie mir in letzter Zeit immer öfter passiert) zu Interesse am Autor und zum Erwerb weiterer Werke führt. So ist diese Maßnahme nämlich eigentlich auch gedacht gewesen. Ebooks zu horten, bloß weil sie kostenlos sind, bringt niemandem was, weder dem Leser, der diesen virtuellen Stoß vermutlich niemals abarbeiten wird, noch dem Autor, der angesichts dieser hoffnungslosen Situation wohl bald das Handtuch werfen wird.

Und, Hand aufs Herz: Die 3 bis 5 Euro, die so ein Ebook kostet, die wird man sich wohl leisten können.

Dr. Nachtstrom

Tony Lucifer – Ave Anus.

•Januar 23, 2013 • Hinterlasse einen Kommentar

Unser Haus- und Hofpoet Tony Lucifer hat sich wieder einmal eine Kurzgeschichte aus seinen entzündeten, gichtigen Fingern gesaugt, die den aufgeschlossenen Horrorfan erfreuen, den Christen mit schwachem Magen aber eher erschrecken dürfte. Wir sagen fröhlich “Pfui!” und verweisen dich auf Lucifer’s Homepage, da kann das Werk mit dem blumigen Titel Ave Anus nämlich online gelesen werden.

Ein Kreuz schlagen und hier klicken.

Edward Lee: Ein Opfer der Zensur.

•Januar 17, 2013 • 6 Kommentare

Eure Comtesse is not amused – da weigert sich Amazon doch tatsächlich, “Das Schwein” von Edward Lee als ebook anzubieten. Der Inhalt dürfte wohl “zu anstößig” sein. Da muss ich doch hinterfragen, wer zum Teufel sowas entscheidet. Amazon verkauft Gummipuppen, Dildos und Slasher-Filme, aber in Buchform darfs nicht zu obszön sein?! Hä?! Diese Doppelmoral kann und will ich nicht verstehen. Ich würde sagen, wir bestellen “Das Schwein” jetzt mal ganz brav über Ciando, damit Amazon sieht, wo der Hammer hängt – unter nachfolgendem Link könnt Ihr das ebook erwerben und zwar unzensiert, krank und pervers – wie wir das von Edward Lee gewohnt sind!

La Comtesse Noir

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“Das Schwein” von Edward Lee kannst du hier zum Preis von 4,99 Euro bestellen.

 
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