Kill List.

Lass uns loslegen. Der erste Film, der in Blut & Beuschel besprochen wird, “Kill List“, ist gleich ein aussergewöhnlicher Vertreter im derzeit eher mauen Horror-Genre. Eigentlich bin ich mir gar nicht so sicher, ob er überhaupt in das Genre reinpasst, die Grenzen sprengt er allemal (so wie das alle guten Filme zur Zeit tun siehe “Hanna” mit der sehr superen Saoirse Ronan oder “Drive” mit dem grandiosen Ryan Gosling).

Ist auch irgendwie schwierig, von dem Film zu erzählen, ohne allzuviel zu spoilern. Ich probiers mal: Der Haussegen hängt schief beim ehemaligen Berufssoldaten Jay und seiner schwedischen Frau Shel, weil Jay keinen Job hat und das Geld für die Familie mit Kind hinten und vorne nicht reicht. Das führt zu ordentlichen Reibereien, die, mit Wackelkamera eingefangen, den Eindruck erwecken, man hätte hier ein tristes, britisches Sozialdrama vor sich. Der Schein trügt natürlich, denn der Beruf von Jay ist der eines professionellen Killers, ein Genre-Schwenk, der nicht der einzige in dieser spröden Wundertüte von Film bleiben wird.

Als Jay’s hässlicher Kumpel und Killer-Partner Gal mit einem neuen Auftrag ankommt, beginnt sich die Spirale der Gewalt zu drehen. Die beiden erkennen, dass ihr jüngstes Opfer Teil einer Organisation ist, die Snuff-Movies herstellt, was Jay zu extrem sadistischen Handlungen treibt. Sein eher pragmatischer Freund ist davon wenig begeistert, was aber irgendwie egal ist, da die beiden nach und nach bemerken, dass sie nur kleine Rädchen in einem grösseren Spiel sind, welches immer irrwitzigere Züge anzunehmen beginnt.

Mehr soll nicht verraten werden, damit euch schön die Münder aufgehen beim Angucken. Nur soviel sei gesagt, dass dies weder eines dieser typischen Hitman-Movies ist, noch ein lupenreiner Horrorthriller. Gewalt gibt es zu sehen, nicht ständig, dafür in sehr explosivem Ausmass. Das ist ja für einen jahrzehntelangen Genrefan wie für mich immer wieder sehr aufregend, wenn so ein Element, welches man aus einschlägigen Filmen sattsam kennt, plötzlich an einer Stelle passiert, an der man in diesem Umfang nicht damit gerechnet hat. Weil, wenn ich mir irgendeinen Streifen angucke, auf dessen DVD-Cover schon irgendein armes Folteropfer sich wundgescheuert in Ketten windet, habe ich von vornherein schon so einen Genrefilter eingeschalten, der mich die zu erwartenden Gewaltexzesse eher, sagen wir, “technisch” betrachten lässt.

Ganz grosses Kino: "A History of Violence"

In einem Film, der nicht eindeutig so einem Genre angehört, mit solcher Gewalt konfrontiert zu sein, ist hingegen ein Erlebnis, welches den Adrenalinpegel ordentlich nach oben schnalzt – ich denke da zum Beispiel an das verehrungswürdige Meisterwerk “History of Violence” von Cronenberg (dass der Film danach, “Eastern Promises” trotz des einladenden Themas gewaltmässig bis auf wenige Ausnahmen eher zurückhaltend war, fand ich in diesem Sinne übrigens auch wieder genial). Nun, um zu “Kill List” zurückzukehren, ein paar der zu sehenden Szenen haben meinen Herzschlag da schon gewaltig beschleunigt.

Überhaupt ist die Grundstimmung des Films die einer ständigen Bedrohung. Daran hat die Musik den wesentlichsten Anteil, weil die selbst banalere Szenen mit einem schwarzen Teppich aus Dissonanzen unterspült; denk dabei an Ligeti, Penderecki und Bartok in “The Shining“. Man wird ständig daran erinnert, dass noch etwas absolut Böses passieren wird, was ja auch stimmt im Endeffekt, nur ist es absolut nicht das, was man erwartet.

Ich habe gehört, dass Regisseur Ben Wheatley ein guter Freund des liebenswerten Comedians Nick Frost und damit vermutlich auch von Simon Pegg ist, weil ja Nick Frost wiederum der beste Freund von Simon Pegg ist, weshalb das also für mich nahe liegt. “Kill List” sieht man das jedenfalls nicht an, denn Humor ist in diesem grimmigen Werk nicht mal in homöopathischer Dosis vorhanden, gell. “Kill List” erscheint am 06. April dieses Jahres auf DVD und Blu-Ray, der ist es echt wert, dass man ihn sich zulegt.

Hier kannst du schon mal vorbestellen.

Und selbst den Trailer finde ich sehr genial, der transportiert viel von dieser speziell unguten Stimmung des Films.

Doc Nachtstrom

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~ von doc nachtstrom - März 26, 2012.

Eine Antwort to “Kill List.”

  1. Oh ja. Definitiv einer der ungewöhnlichsten und verstörendsten Filme der letzten Jahre. Ging mir echt an die Nieren. Respekt, Herr Wheatley, kann ich nur sagen!

    Und Hurra zu einem neuen Blog von Doc Nachtstrom! Bin gespannt auf alles, was da noch kommt.

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